In der malerischen Erfurter Allerheiligenstraße, mitten im alten Universitätsviertel befindet sich das evangelische Johannes-Lang-Haus, das seit über 90 Jahren das passende Ambiente für kirchliche und nichtkirchliche Anlässe zur Verfügung stellt.
Im Jahre 1905 wurde das Johannes-Lang-Haus von engagierten Erfurtern als Evangelisches Vereinshaus und Veranstaltungszentrum erbaut. In der Reformationszeit standen hier und auf dem Nachbargrundstück Nr. 9 zwei sächsische Kollegien der Universität, in denen Studenten aus Sachsen wohnen und arbeiten konnten. Inschriften von 1521 und 1548 zeugen davon.
Nach Aufhebung der Universität wurden beide Grundstücke im Jahre 1860 von der „Christlichen Herberge zur Heimat“ (sie diente mittellosen Handwerksburschen für Obdach und Verpflegung) gekauft. Während das Haus Nr. 9 bereits 1862 aus Spendenmitteln gebaut werden konnte, waren jahrzehntelange Vorbereitungen und Geldsammlungen nötig, um das viel größere Vereinshaus zu planen und zu bauen. Das Gebäude, das schließlich auf dem schmalen Grundstück errichtet wurde, zeugt noch heute von der Weitsicht seiner Erbauer und Architekten.
Zunächst wurde das Haus vom „Evangel. Jünglingsverein“ (später: Christlicher Verein für Junge Männer) geführt. Im Laufe der Jahre fanden hier viele Gruppen und Vereine ihre Heimat. Der „Große Saal“ mit Bühne und Empore bot darüber hinaus gute Auftrittsmöglichkeiten für Theater- und Musikgruppen. Von Anfang an diente das Haus aber auch der Begleitung und Versorgung der Ärmsten der Armen. Die bereits im Nebenhaus angesiedelte „Herberge zur Heimat“ hatte Ihren Aufenthaltsraum im heutigen „Grünen Salon“. Die kürzlich wieder entdeckte biblische Inschrift (Psalm 119,9) legt noch heute Zeugnis davon ab.
Im 2. Weltkrieg wurden sogenannte Fremdarbeiter in das Haus eingewiesen, die hier wohnten und sich selbst verpflegten. Ein Veranstaltungsbetrieb war damit nicht mehr möglich. Auch nach dem Krieg war das Haus zunächst zweckentfremdet: Neben vielen Flüchtlingsfamilien aus dem Osten waren verschiedene städtische Behörden und ein provisorisches Krankenhaus untergebracht.
1953 wurde das Ev. Vereinshaus der Stadtmission übertragen und in den folgenden Jahren konnte das Haus wieder zunehmend für Veranstaltungen genutzt werden, nur das Stadtarchiv blieb bis 1989 im heutigen „Grünen Salon“. Die Stadtmission richtete eine Kleiderkammer, eine Nähstube für Bedürftige und andere soziale Dienste ein.
Der „Große Saal“ wurde 1976 renoviert und umgestaltet. Das Vereinshaus erhielt den Namen des Erfurter Reformators und Freund Luthers, Johannes Lang. In den Jahren bis zur Wende wurden das Johannes-Lang-Haus und die ebenfalls zur Stadtmission gehörende Michaeliskirche zu Treffpunkten oppositioneller Gruppen der DDR.
In den Jahren 1996/97 erfolgte eine Generalsanierung des Johannes-Lang-Hauses. Dabei wurde auch die Grundstruktur der ursprünglichen Nutzung wieder hergestellt. Diese ermöglichte eine vielfältige Kombination von Räumen, Küchen, Toiletten und Treppenhäusern, die den unterschiedlichsten Nutzern optimal angepaßt werden können.
Heute dient das Johannes-Lang-Haus der Sozialarbeit der Stadtmission und verschiedenen Organisationen. Vor allem aber sind viele große und kleine Gruppen unsere Gäste, die sich in unsere Räumlichkeiten einmieten.
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